lilien.acker im Schlossgarten

Der Sieger des 11. Schaugartenwettbewerbs im Rahmen des Fürstlichen Gartenfestes steht fest: Marcel Tröger von der TU Berlin konnte mit seinem Entwurf „lilien.acker! – oder wo kommen unsere blumen her“ die Abonnenten der Fachzeitschrift „Gartenpraxis“ überzeugen. Zuvor setzte er sich zusammen mit zwei weiteren Finalisten gegen knapp 20 Entwürfe innerhalb der Jurybegutachtung durch.
Landgräfin Floria von Hessen begrüßte die geladenen Gäste zur offiziellen Preisverleihung. Anlass war der 11. Schaugartenwettbewerb im Rahmen des Fürstlichen Gartenfestes auf Schloss Fasanerie. Im vergangenen Dezember hatte eine 10-köpfige Fachjury aus den eingereichten Entwürfen drei Finalisten ausgewählt. Diese stellten sich in der Januar-Ausgabe dem Votum der Abonnenten der „Gartenpraxis“. Nun wurde der Gewinner offiziell verkündet und zwei Sonderpreise überreicht. Die Schirmherrin des Fürstlichen Gartenfestes bezeichnete in ihrer Begrüßung den jährlichen Schaugarten als „unverzichtbaren Höhepunkt“ des Fürstlichen Gartenfestes. Außerdem gestand sie, dass sie gespannt sei, ob es auch in diesem Jahr unerwartete Wendungen beim Bau des Schaugartens geben wird. Dies sei immer sehr interessant und mache den Reiz eines solchen Projektes aus, so die Landgräfin.

Tobias Mann von Mann Landschaftsarchitektur in Fulda stellte seine kurzweilige Ansprache unter den Tenor „Leidenschaft“. Sie sei für die Tätigkeit eines Landschaftsarchitekten enorm wichtig. Nur was man mit Leidenschaft tue, mache man gut. Die Arbeiten zeigten zudem die Sehnsucht nach paradiesischen Gärten. Den Schaugartenwettbewerb bewertete das Jury-Mitglied sehr positiv und als wichtig für den Nachwuchs der Landschaftsarchitektur: „Der Wettbewerb gibt die Möglichkeit, im geschützten Raum zu experimentieren“. Mann erzählte außerdem, dass es für die Jury spannend sei, für welchen Garten sich die Abonnenten der Gartenpraxis letztendlich entscheiden.

Für das Magazin war Gartenpraxis-Chefredakteur Jonas Reif vor Ort. Er charakterisierte das Fürstliche Gartenfest als „Perle unter den Gartenfesten“. Das langjährige Jury-Mitglied sieht im Schaugartenwettbewerb auf Schloss Fasanerie einen entscheidenden Vorteil: „Der Gewinnerentwurf wird realisiert.“ Dies sei die große Ausnahme bei studentischen Wettbewerben. Auf Schloss Fasanerie müsse der Gewinner zeigen, was er wirklich kann, indem er individuelle, kreative Lösungen findet. So kann er in bester Kulisse in den Berufsalltag hereinschnuppern. Jonas Reif verkündete das offizielle Abstimmungsergebnis: Lucas Reyers Entwurf „Galerie Lilie“ belegt mit 13 Prozent der abgegebenen Stimmen den 3. Platz. Der Student an der TU Dresden plante ein „Freilichtmuseum“ für Lilien. 36 Prozent gehen an „How to ‚Lily‘“ von Martina Heims und Kai Faust. Und mehr als die Hälfte der Gartenpraxis-Abonnenten – 51 Prozent – stimmten für den Sieger: Marcel Tröger von der TU Berlin mit seinem Entwurf „lilien.acker – oder wo kommen unsere blumen her“.

Landgräfin Floria von Hessen überreichte Marcel Tröger persönlich die Gewinnerurkunde mit Preisgeld. Freuen durfte er sich allerdings gleich zweifach: Zum einen wird sein Entwurf zum kommenden Fürstlichen Gartenfest im Mai auf rund 300 Quadratmetern gebaut. Zum anderen wurde Tröger mit einem weiteren Preis bedacht: Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) lobte zum ersten Mal einen Sonderpreis im Rahmen des Schaugartenwettbewerbs aus. Diesen erhielt ebenfalls der Berliner Student für seinen „lilien.acker“. Die Kriterien zur Preisvergabe waren hoch angesetzt: Neben der Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung wurde die planerische Umsetzung der Gestaltungsidee im Freiraum und die Vermittlung der Planungsidee über die Entwurfsdarstellung bewertet. Darüber hinaus spielte die kreative Leistung eine Rolle bei der Bewertung. Ralf Habermann vom bdla lobte die Arbeit des Studenten: „Der Entwurf provoziert und hat eine politische Botschaft.“ Indem Tröger auf die Situation im Blumenanbau, der zum Teil unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen stattfindet, hinweist, leiste er einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung. Außerdem beweise er großen planerischen Mut – den Boden eines Barockschlossgartens in einen Acker zu verwandeln. Übergeben wurde der Preis samt Preisgeld durch Victor Kamphausen, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen des bdlas.

Neben dem Sonderpreis des bdlas wurde ein zweiter Sonderpreis am gestrigen Donnerstag verliehen: der Sonderpreis der Herbert-Heise-Stiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur. Der Zweck der Stiftung stellt insbesondere die Förderung von begabten Studierenden und jungen Berufsanfängern sowie die Förderung von Planungswettbewerben dar. Der 91-jährige Namensträger der Stiftung, Herbert Heise, ließ sich entschuldigen. Die Verleihung des Sonderpreises übernahm aus diesem Grund Prof. Frank Blecken. Er verkündete, dass es ihm eine große Freude sei, „dass der Wettbewerb zu einer Institution geworden ist“. Durch die Abstimmung in der „Gartenpraxis“ hätten nicht nur Profis das Sagen, sondern auch interessierte Laien. Der Sonderpreis der Herbert-Heise-Stiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur ging inklusive Preisgeld zum dritten Mal in Folge an Martina Heims und Kai Faust. Mit ihrem Entwurf „How to ‚Lily‘“ konnten Sie die Stiftung überzeugen. Ihr Schaugartenentwurf besteht aus überdimensionalen, beschrifteten Buchseiten, die bepflanzt sind. Die Stiftung fand bei der Bewertung die Idee, alles zu thematisieren, was den Liliengewächsen zuzurechnen ist und damit ein sehr breites Spektrum abzudecken, sehr überzeugend. Der Entwurf informiere, gebe konkrete Pflanzbeispiele mit Lilien und passenden Begleitpflanzen und schaffe so Anregungen für die Besucher, erläuterte der Laudator.